WC Acapulco: Entscheidung Trap Damen

WC Acapulco: Entscheidung Trap Damen

Acapulco, MEXGestern nun der erste Weltcupauftritt unserer Damen Sonja Scheibl und Jana Beckmann beim WC hier in Acapulco (MEX). Unsere drei Athleten haben ja am Freitag einen kleinen Situationsbericht geschrieben, insgesamt eine Reise mit vielen Hindernissen.

Samstag in Houston am Airport einchecken, das ging relativ zügig. In der Maschine nach Acapulco saßen nur wenige Passagiere, die meisten waren ja schon am Vortag angereist, denn am Samstag stand das offizielle Wettkampftraining auf dem Plan. Scheinbar ohne uns, denn wir machten uns wenig Hoffnungen auf ein rechtzeitiges Eintreffen auf dem Schießstand. Mit uns im Flieger ein Teil des britischen Teams, die auch Probleme mit den Anschlussflügen hatten und so zwei Tage später anreisen mussten. Auf dem Rollfeld in Houston Stau, dort standen mindestens 15 Maschinen und warteten auf die Starterlaubnis. Dann rollte Einer nach der anderen auf die Startbahn und hob ab. Wir waren ziemlich zum Schluss dran, so dass hier auch noch mal eine dreiviertel Stunde Verspätung dazu kam. Die Waffenkontrolle in Acapulco dann wider Erwarten sehr zügig, nach einer Stunde waren wir bereits mit allen Formalitäten und Kontrollen durch. Das fühlte sich nach den letzten Erfahrungen wie ein Wunder an!
Vor dem Airport warteten zwei Shuttle, die uns zum Schießstand fuhren. Dort konnten wir dann wenigstens noch zwei Durchgänge trainieren, auch wenn alles sehr hektisch verlief. Die zwei Damen durften nur zwei Runden hintereinander auf Stand 5 absolvieren, bei Andy war dann nach einer Runde auf Stand 5 auch noch einmal Stand 3 möglich.
An dieser Stelle möchte ich nochmal ganz herzlich unserem Bodo Gißke danken, der hier als Chairman der ISSF Jury vor Ort ist. Er besorgte uns das Shuttle, die Munition und die Trainingszeiten, ansonsten wäre ein Training gar nicht möglich gewesen.

Unsere Damen kamen heute nicht so richtig in die Gänge. Jana fehlte ganz einfach das Training auf den anderen Ständen, um die richtigen Haltepunkte zu finden. Das dann im Wettkampf zu versuchen, da landen erst mal einige Scheiben „ungerupft“! Mit 56 Scheiben belegte sie Rang 31.
Bei Sonja lief es die ersten zwei Runden mit jeweils 23 Treffern ganz ordentlich, mit einer 24 zum Schluss wäre sie im Shoot Off um den Finaleinzug dabei gewesen. Sie begann Durchgang 3 auch sehr gut und hatte bis zur 10. Scheibe noch keinen Fehler. Dann kam es aber bei ihr zu einem Konzentrationseinbruch, das Ergebnis waren 19 Treffer und mit insgesamt 65 Scheiben Rang 24.
Sicher spielen die ganzen Umstände der Anreise hierher eine große Rolle, sie sollen aber keine Ausrede für die erbrachten Leistungen sein. Wir sind noch nicht auf dem Niveau, um Finaleingangsleistungen zu erbringen. Dazu ist die Saison zu jung, es fehlt  noch an Variabilität und Wettkampfhärte. Dieser Wettkampf hat uns den aktuellen Leistungsstand gezeigt und Reserven offenbart, an denen es jetzt zu Hause beim Heimtraining gezielt zu arbeiten gilt!

Es gab auch wieder lustige Erlebnisse hier im Wettkampf. In Janas erster Rotte heute auf Stand 3 zerlegte es eine am Hochhaus angebrachte Klimaanlage. Die hat schlagartig nicht mehr gekühlt, sondern nur noch laut gezischt und gefaucht sowie das Kühlmittel in einer großen Wolke auf dem Stand verteilt! Sie dient der Klimatisierung der Büros, die sich direkt vor Stand 3 befinden. Die haben da drin anschließend sicher nicht gefroren!

Während der zweiten Wettkampfrunde von Andy zog eine riesige Rauchwolke aus dem Tal herauf, dort haben die Einheimischen wahrscheinlich  Müll verbrannt. Andy hat sich heute gar nicht schlecht verkauft, mit 70 Scheiben liegt er im Mittelfeld. Vielleicht kann er morgen noch ein paar Plätze gut machen.

So, dass kurz aus dem heißen Acapulco. Bis bald!

Neuerungen im ISSF-Regelwerk ab 2017

Neuerungen im ISSF-Regelwerk ab 2017

Köln, GERFrei nach dem Motto „Nach Olympia, ist vor Olympia!“, wird das Regelwerk des Internationale Schießsportverbands alle vier Jahre (olympischer Zyklus) überarbeitet. Bereits vor der Veröffentlichung des neuen Regelwerks im Dezember – was ab dem 1. Januar 2017 in Kraft tritt – hat die International Shooting Sport Federation (ISSF) jetzt schon eine Zusammenfassung der wichtigsten Regeländerungen veröffentlich.

20161019-01_issf-regeln-aenderungen2017-2020Die gravierendste Änderung für uns Flintenschützen ist die Überarbeitung der Final-Verfahren – vom aktuellen „Semifinale / Medal-Match-Format“ zu einem „Progressiven Eliminations-Finale“.

Was bedeutet das?

Alle Finalisten schießen nach der Qualifikations-Rangordnung (Platzierung) mit den Startnummern 1-6, diese entscheidet bei einem Gleichstand der jeweils Letztplatzierten über die Elimination (Plätze 6, 5 und 4).
Nur die Medaillen-Plätze werden bei Gleichstand durch „shoot off“ ermittelt.

Das Trap-Finale
Alle Finalisten beschießen eine reguläre Runde (25 Scheiben), danach scheidet der Letztplatzierte aus (bei Gleichstand s.o., der Athlet mit der höheren Startnummer), anschl. wird nach jeweils weiteren 5 Scheiben ein weiterer Schütze nach gleichem Verfahren eliminiert (30, 35 und 40 Scheiben). Die beiden am Ende übrigbleibenden Athleten bestreiten weitere 10 Scheiben für die Entscheidung um den Sieg.

Das Doppeltrap-Finale
Gleiches Verfahren wie zuvor – alle Finalisten starten mit einer regulären Runde (15 Doubletten), danach die erste Elimination. Weitere Eliminationen nach jeweils 20, 25, 30 und 40 Doubletten.

Das Skeet-Finale
Das neue Skeet-Finale basiert auf 10-Scheiben-Sequenzen (reguläre und umgekehrte Doublette auf Station 3, reguläre oder umgekehrte Doublette auf Station 4 sowie reguläre und umgekehrte Doublette auf Station 5). Station 4 Doubletten wechseln zwischen reguläre und umgekehrte Doublette bei jeder 10-Scheiben-Sequenz. Eliminierungen bzw. Medaillenentscheidungen werden nach 20, 30, 40, 50 und 60 Scheiben durchgeführt.

Diese neuen Final-Verfahren wurden beim World Cup Final in Rom von der Weltspitze nach den Siegerehrungen getestet, natürlich blieben hier und da noch Fragen offen, aber im Allgemeinen wurden die neuen Final-Verfahren als positiv angesehen. Der Ablauf ist eindeutig, der gesamte Zeitablauf ist schneller als beim Medal-Match-System und das Qualifikationsergebnis nimmt wieder Einfluss auf die Ergebnisse im Finale!

Weitere Regeländerungen im Bereich der Flintendisziplinen

Sichtschutz / Blenden
Gewehr-, Pistolen- und Flinten-Athleten können einen vorderen Sichtschutz (max. Breite 30mm) verwenden. NUR Flinten-Athleten dürfen Seitenblenden von max. 60 mm Tiefe tragen. Gewehr- und Pistolensportler dürfen keine Seitenblenden mehr tragen.

Schrotmunition
Die Verwendung von farbigen Zwischenmitteln/Schrotbechern ist verboten. Es dürfen nur transparente oder durchscheinende Schrotbecher verwendet werden.
Die strenge Durchsetzung der Schrotmasse (24,0 g +0,5 g Toleranz) wird weiter fortgesetzt.

Wechselchokes
Ausgleichsvorrichtungen (Kompensatoren) oder ähnliche Vorrichtungen sind verboten.
Zugelassen sind dagegen „geöffnete (geportete) Wechselchokes“, wobei das erste Loch z.B. eines geporteten Laufs, nicht mehr als 20 cm, gemessen vom Mündungsende der Wechselchokes entfernt ist.

Flinten-Schaft
Der unterste Punkt des Hinterschaftes oder die Spitze der Schaftkappe darf nicht mehr als 170 mm, gemessen unterhalb einer horizontalen Linie vom Boden des Systemkastens der Schrotflinte liegen.

Skeet – Markierungsband a.d. Schießweste
Das Verfahren zur Überprüfung der Markierungsbandposition hat sich geändert. Es wird nun ein horizontaler Laserstrahl verwendet, um den Punkt des Ellbogens in Bezug auf das Markierungsband zu bestimmen.

Countback-Regel (Rückzahlregel)
Die Countback-Regel wird verwendet, um einen Scheibengleichstand zu brechen. Die Auswertung wird mit der letzten Runde begonnen, danach die Vorletzte usw. bis zur ersten Runde. Wenn danach immer noch keine Entscheidung vorliegt, wird mit der letzten gefehlten Scheibe der letzten Runde begonnen.
(Die vorherige Regel begann mit der ersten Scheibe in der letzten Runde und zählte vorwärts.)

Wurfscheiben
Die Verwendung von biologisch abbaubaren (umweltfreundlichen) Wurfscheiben wird in allen ISSF-Meisterschaften gefördert. Für alle ISSF-Weltmeisterschaften sowie den Olympischen Spiele ist der Einsatz biologisch abbaubaren Wurfscheiben erforderlich.

Weitere Regeländerungen im allgemeinen Bereich

Weltrekorde / Qualifikationsrekorde
„Weltrekorde“ bei Veranstaltungen mit Finale werden nun für Ergebnisse im Finale anerkannt.  Rekorde die bei olympischen Qualifikationswettkämpfen geschossen werden, werden nun als „Qualifikationsrekorde“ anerkannt.

Papierlose (Nachhaltige) Wettbewerbe
Organisationskomitees haben die Möglichkeit, papierlose elektronische Systeme zu verwenden, um Startlisten, Ergebnislisten und Informationsbulletins zu verteilen, wenn drahtlose Internetverbindungen allgemein am Schießstandort verfügbar sind, damit Offizielle, Trainer und Athleten diese Dokumente auf ihren Kommunikationsgeräten ansehen können.

Disqualifikation
Wenn ein Athlet während irgendeiner Phase eines Wettkampfes (Qualifikation oder Finale) disqualifiziert wird, müssen die Ergebnisse des Athleten für alle Phasen des Wettkampfes gelöscht werden.

Finalproduktionen und Musik
Die Verwendung von Musik und Kommentaren in Finalen ist erforderlich.
Musik sollte auch bei Eliminierungs- und Qualifikationswettkämpfen verwendet werden, wenn dies möglich ist.

Schallverbessernder Gehörschutz
Athleten können natürlich einen schallreduzierenden Gehörschutz tragen, aber sie dürfen keinen schallverbessernden Gehörschutz an der Schusslinie oder an Ihren Schießpositionen tragen. Wettkampfoffizielle dürfen einen schallverbessernden Gehörschutz tragen.

Mobiltelefone
Athleten dürfen Mobiltelefone oder Smartphones und / oder am Handgelenk getragene Kommunikationsgeräte nicht an ihren Schießpositionen benutzen.

Rio 2016: Wettkampftraining Trap Frauen

Rio 2016: Wettkampftraining Trap Frauen

Rio de Janeiro, BRADas heutige offizielle Wettkampftraining der Frauen und Männer ist ein untrügliches Zeichen dafür, dass die Spiele nun auch für uns Wurfscheibenschützen begonnen haben. Unsere Jana schlug sich ganz achtbar und konnte sich gegenüber den Trainingseinheiten der vergangenen Tage steigern. Nun gilt es morgen, die Bedeutung dieses Wettkampfes so gut wie möglich auszublenden – wer das kann, hat sehr gute Karten! Die Nervosität vor diesem großen und wichtigen Event ist bei allen Damen und Herren (die ja morgen auch mit ihrem Wettkampf beginnen) deutlich zu spüren. Also Daumen drücken, Start ist um 09.00 Uhr Ortszeit. Jana ist gleich im ersten Umlauf (Rotte 2) dran.

20160806-08_og-rio-umGestern ging hier aufgrund der Vorbereitung und Durchführung der Eröffnungsveranstaltung gewaltig die Post ab! Ab 14.00 Uhr fuhren keine Busse mehr, so das bis dahin alle im Dorf sein musste. Bei unserer Ankunft standen geschätzte 1000 Personen vor der Sicherheitsschleuse, und minütlich wurden es mehr, weil ständig neue Busse ankamen – fast schon beängstigend! Wir brauchten eine geschlagene dreiviertel Stunde, um endlich unser Quartier hier im Haus 23 zu erreichen. Die Busse reihten sich im Dorf zu einer kilometerlagen Schlange aneinander, hier stiegen dann am späten Nachmittag die einzelnen Nationen ein zur Abfahrt für die Eröffnungsfeier.

Die Wurfscheibenfraktion nahm wegen des heutigen Wettkampftrainings nicht an der Eröffnung teil, denn es wird erfahrungsgemäß 02.00 Uhr am nächsten Morgen, bis alle Teilnehmer wieder im Dorf sind. Stattdessen statteten wir dem Deutschen Haus einen Besuch ab. Die Anreise dorthin, die wir zusammen mit den Seglern in einem gefühlt 30 Jahre altem VW-Kleinbusshuttle unternahmen, ging nicht ganz ohne Hindernisse über die Bühne. Etwa 300 Meter vor dem Deutschen Haus war plötzlich die Straße wegen einer Bombendrohung gesperrt! Also mussten wir warten, bis sich die Situation   wieder entspannte und wir dann den Rest der Strecke zu Fuß zurücklegen konnten. Ein abgestellter leerer Koffer dort irgendwo hatte wohl diesen Alarm ausgelöst!

20160806-10_og-rio-umDas Deutsche Haus ist schon eine tolle Anlage – sowohl vom äußerlichen Erscheinungsbild als auch von den „inneren“ Werten! Nach dem obligatorischen Sicherheitscheck und der Akkreditierung ging es hinein – erst mal alles erkunden, dann lecker essen und trinken und dabei die Eröffnungsfeier auf großen Monitoren, die im gesamte Gebäude verteilt sind, mit dem Team verfolgen. Gegen 22.30 Uhr traten wir dann die Rückfahrt an – insgesamt ein schöner und aufregender Abend!

Heute hatten wir hohen Besuch auf dem Stand, IOC- Präsident Thomas Bach mit ISSF-Präsident Rana und ISSF-Generalsekretär Schreiber gaben sich die Ehre! Sie waren bei der Siegerehrung Luftgewehr Frauen präsent, die traditionell die erste Entscheidung bei den Spielen ist. Hier hat ja Barbara Engleder aus Deutschland ganz knapp eine Medaille verfehlt und Platz 4 belegt. Herzlichen Glückwunsch für diese starke Leistung!

20160806-11_og-rio-um

Viele Grüße aus Rio!