von Wolfgang Lamée | 31.10.16 | News
Köln, GER – Frei nach dem Motto „Nach Olympia, ist vor Olympia!“, wird das Regelwerk des Internationale Schießsportverbands alle vier Jahre (olympischer Zyklus) überarbeitet. Bereits vor der Veröffentlichung des neuen Regelwerks im Dezember – was ab dem 1. Januar 2017 in Kraft tritt – hat die International Shooting Sport Federation (ISSF) jetzt schon eine Zusammenfassung der wichtigsten Regeländerungen veröffentlich.
Die gravierendste Änderung für uns Flintenschützen ist die Überarbeitung der Final-Verfahren – vom aktuellen „Semifinale / Medal-Match-Format“ zu einem „Progressiven Eliminations-Finale“.
Was bedeutet das?
Alle Finalisten schießen nach der Qualifikations-Rangordnung (Platzierung) mit den Startnummern 1-6, diese entscheidet bei einem Gleichstand der jeweils Letztplatzierten über die Elimination (Plätze 6, 5 und 4).
Nur die Medaillen-Plätze werden bei Gleichstand durch „shoot off“ ermittelt.
Das Trap-Finale
Alle Finalisten beschießen eine reguläre Runde (25 Scheiben), danach scheidet der Letztplatzierte aus (bei Gleichstand s.o., der Athlet mit der höheren Startnummer), anschl. wird nach jeweils weiteren 5 Scheiben ein weiterer Schütze nach gleichem Verfahren eliminiert (30, 35 und 40 Scheiben). Die beiden am Ende übrigbleibenden Athleten bestreiten weitere 10 Scheiben für die Entscheidung um den Sieg.
Das Doppeltrap-Finale
Gleiches Verfahren wie zuvor – alle Finalisten starten mit einer regulären Runde (15 Doubletten), danach die erste Elimination. Weitere Eliminationen nach jeweils 20, 25, 30 und 40 Doubletten.
Das Skeet-Finale
Das neue Skeet-Finale basiert auf 10-Scheiben-Sequenzen (reguläre und umgekehrte Doublette auf Station 3, reguläre oder umgekehrte Doublette auf Station 4 sowie reguläre und umgekehrte Doublette auf Station 5). Station 4 Doubletten wechseln zwischen reguläre und umgekehrte Doublette bei jeder 10-Scheiben-Sequenz. Eliminierungen bzw. Medaillenentscheidungen werden nach 20, 30, 40, 50 und 60 Scheiben durchgeführt.
Diese neuen Final-Verfahren wurden beim World Cup Final in Rom von der Weltspitze nach den Siegerehrungen getestet, natürlich blieben hier und da noch Fragen offen, aber im Allgemeinen wurden die neuen Final-Verfahren als positiv angesehen. Der Ablauf ist eindeutig, der gesamte Zeitablauf ist schneller als beim Medal-Match-System und das Qualifikationsergebnis nimmt wieder Einfluss auf die Ergebnisse im Finale!
Weitere Regeländerungen im Bereich der Flintendisziplinen
Sichtschutz / Blenden
Gewehr-, Pistolen- und Flinten-Athleten können einen vorderen Sichtschutz (max. Breite 30mm) verwenden. NUR Flinten-Athleten dürfen Seitenblenden von max. 60 mm Tiefe tragen. Gewehr- und Pistolensportler dürfen keine Seitenblenden mehr tragen.
Schrotmunition
Die Verwendung von farbigen Zwischenmitteln/Schrotbechern ist verboten. Es dürfen nur transparente oder durchscheinende Schrotbecher verwendet werden.
Die strenge Durchsetzung der Schrotmasse (24,0 g +0,5 g Toleranz) wird weiter fortgesetzt.
Wechselchokes
Ausgleichsvorrichtungen (Kompensatoren) oder ähnliche Vorrichtungen sind verboten.
Zugelassen sind dagegen „geöffnete (geportete) Wechselchokes“, wobei das erste Loch z.B. eines geporteten Laufs, nicht mehr als 20 cm, gemessen vom Mündungsende der Wechselchokes entfernt ist.
Flinten-Schaft
Der unterste Punkt des Hinterschaftes oder die Spitze der Schaftkappe darf nicht mehr als 170 mm, gemessen unterhalb einer horizontalen Linie vom Boden des Systemkastens der Schrotflinte liegen.
Skeet – Markierungsband a.d. Schießweste
Das Verfahren zur Überprüfung der Markierungsbandposition hat sich geändert. Es wird nun ein horizontaler Laserstrahl verwendet, um den Punkt des Ellbogens in Bezug auf das Markierungsband zu bestimmen.
Countback-Regel (Rückzahlregel)
Die Countback-Regel wird verwendet, um einen Scheibengleichstand zu brechen. Die Auswertung wird mit der letzten Runde begonnen, danach die Vorletzte usw. bis zur ersten Runde. Wenn danach immer noch keine Entscheidung vorliegt, wird mit der letzten gefehlten Scheibe der letzten Runde begonnen.
(Die vorherige Regel begann mit der ersten Scheibe in der letzten Runde und zählte vorwärts.)
Wurfscheiben
Die Verwendung von biologisch abbaubaren (umweltfreundlichen) Wurfscheiben wird in allen ISSF-Meisterschaften gefördert. Für alle ISSF-Weltmeisterschaften sowie den Olympischen Spiele ist der Einsatz biologisch abbaubaren Wurfscheiben erforderlich.
Weitere Regeländerungen im allgemeinen Bereich
Weltrekorde / Qualifikationsrekorde
„Weltrekorde“ bei Veranstaltungen mit Finale werden nun für Ergebnisse im Finale anerkannt. Rekorde die bei olympischen Qualifikationswettkämpfen geschossen werden, werden nun als „Qualifikationsrekorde“ anerkannt.
Papierlose (Nachhaltige) Wettbewerbe
Organisationskomitees haben die Möglichkeit, papierlose elektronische Systeme zu verwenden, um Startlisten, Ergebnislisten und Informationsbulletins zu verteilen, wenn drahtlose Internetverbindungen allgemein am Schießstandort verfügbar sind, damit Offizielle, Trainer und Athleten diese Dokumente auf ihren Kommunikationsgeräten ansehen können.
Disqualifikation
Wenn ein Athlet während irgendeiner Phase eines Wettkampfes (Qualifikation oder Finale) disqualifiziert wird, müssen die Ergebnisse des Athleten für alle Phasen des Wettkampfes gelöscht werden.
Finalproduktionen und Musik
Die Verwendung von Musik und Kommentaren in Finalen ist erforderlich.
Musik sollte auch bei Eliminierungs- und Qualifikationswettkämpfen verwendet werden, wenn dies möglich ist.
Schallverbessernder Gehörschutz
Athleten können natürlich einen schallreduzierenden Gehörschutz tragen, aber sie dürfen keinen schallverbessernden Gehörschutz an der Schusslinie oder an Ihren Schießpositionen tragen. Wettkampfoffizielle dürfen einen schallverbessernden Gehörschutz tragen.
Mobiltelefone
Athleten dürfen Mobiltelefone oder Smartphones und / oder am Handgelenk getragene Kommunikationsgeräte nicht an ihren Schießpositionen benutzen.
von Uwe Möller | 15.10.16 | News
Rom, ITA – Gestern der letzte Wettkampftag mit der Entscheidung Trap Damen, am Start hier Sonja Scheibl. Der Tag ging gut los. Denn obwohl uns zugesichert war, dass es ab 05.30 Uhr Frühstück gibt, ging die Kantinentür unserer „Jugendherberge“ erst um 06.15 Uhr auf. Der Bus fährt sehr pünktlich ab, und zwar um 06.30 Uhr. Also schnell noch einen Kaffee (der Kaffeeautomat musste auch erst noch hochfahren), dann ging es zum Stand.
Der große Bus mit den 2 Schützinnen „Sonja Scheibl“ und „Satu Makela-Nummela, FIN“ und den zwei Trainern brauchte dann 25 Minuten bis zum Schießstand. Dort waren wir wie auch schon in den letzten Tagen die Ersten, die Dämmerung hatte gerade begonnen. Zum Glück war das Wetter heute besser, viel wärmer und nicht mehr so kalt und nass wie am Tag davor.
Der letzte große internationale ISSF-Wettkampf 2016 für die Damen begann dann um 08.30 Uhr. Am Start 11 Damen, die Besten dieser Saison. Nach der zweiten Runde lag Sonja mit 45 Scheiben noch auf Finalkurs, mit einer 21 zum Schluss waren jedoch dann alle Messen gesungen. Fehler hauptsächlich bei flachen Rechtsscheiben. Am Ende Platz 9, zur Finaleingangsleistung von 68 Treffern fehlten zwei Scheiben.
Siegerin nach einem dramatischen shoot off wurde die Silbermedaillengewinnerin von Rio, die Neuseeländerin Rooney. Den zweiten Platz belegte Perilli aus San Marino, Dritte wurde Cogdell aus den USA.
Zum letzten Mal wurde das Finale nach den alten Regeln geschossen, ab 2017 gibt es hier Veränderungen. Nach der Siegerehrung durften die Damen dann auch gleich die neue Final-Version testen.
Die Startreihenfolge richtet sich hier nach dem Vorkampfergebnis, die Beste mit der BIB-Nr. 1 beginnt auf Stand 1, die Sechst platzierte erhält BIB-Nr.6 und startet ihre Runde von Position sechs.
Zuerst schießen alle Teilnehmer eine normale Runde von 25 Scheiben mit einem Schuss. Danach muss die/der Schlechteste das Finale verlassen und belegt Platz 6.
Nun geht es in Fünfer-Schritten weiter, d.h. nach insgesamt 30 Scheiben scheidet die/der Schlechteste aus und belegt Rang 5. Nach 35 Scheiben scheidet die/der Schlechteste aus und belegt Rang 4. Nach 40 Scheiben scheidet die/der Schlechteste aus und belegt Rang 3. Bei Gleichstand entscheidet immer die BIB-Nr., d.h. die höhere Nummer muss ausscheiden. Dadurch wird ein shoot off vermieden und die Vorkampfleistung wird mehr honoriert.
Für die Entscheidung über Gold und Silber werden nochmal 10 Scheiben geschossen, danach steht Gold und Silber fest. Sollte hier Gleichstand herrschen, dann entscheidet ein shoot off.
Im Finale wird das Ergebnis fortlaufend addiert.
Sicher hat die ganze Sache noch ein paar Baustellen. Vom Zeitfaktor her dauert das neue Finale ca. 45 Minuten. Bei den 5er Schritten muss für jeden Schützen die gleiche Anzahl Richtungen geworfen werden, d.h. zwei linke, zwei rechte und eine gerade Scheibe. Wie will man das regeln, um Chancengleichheit zu wahren? Gestern lief die Wahl dieser Scheiben über den Zufallsgenerator, Schütze 1 bekam beispielsweise die Geradeausscheibe auf Stand 3 (Höhe 1,50), Schütze 3 bekam die Geradeausscheibe auf Stand 2 (Höhe 2,50 m). Für alle dieselben 5 Scheiben – das nimmt dann schon wieder die Spannung? Da gibt es sicher noch einigen Klärungsbedarf. In diesem Finale belegte Sonja dann übrigens den vierten Platz!
So, nun geht es wieder nach Hause, die sehr lange internationale Saison ist beendet. Nächste Woche geht es dann aber schon wieder national mit dem Junior Herbst Contest in Schale weiter! Bis dahin!
von Uwe Möller | 12.10.16 | News
Rom, ITA – Viele Grüße hier aus der „ewigen Stadt“ an alle Wurfscheibenfans in Deutschland vom Weltcupfinale! Am Start aus Deutschland sind auf Grund ihrer Leistungen im Jahresverlauf Sonja Scheibel bei den Trap Damen und Andy Löw im Doppeltrap.
Vorgestern Anreise, nach einem stressigen und nervigen Check Inn am Flughafen Frankfurt und einem dann doch recht entspannten Flug ging es zum Hotel. Das befindet sich in einem großen Sportkomplex (ähnlich Kienbaum) und ist etwa eine Stunde Busfahrt vom Airport Rom entfernt. Hat Jugendherbergsflair, Verpflegung in einer Kantine mit Wegwerfgeschirr und Besteck aus Plastik.
Der Schießstand ist ungefähr 45 Minuten vom Hotel weg. Eine große Anlage mit 8 Ständen, wunderschön gelegen, vielleicht schon etwas in die Jahr gekommen, trotzdem mit dem typischen italienischen Charme und Flair.
Gestern dann offizielles Wettkampftraining Doppeltrap und Skeet, Sonja konnte ebenfalls ein paar Trainingsrunden drehen. Das Wetter kalt und regnerisch, Trainingsende war gegen 13.00 Uhr mittags, danach noch 4 Stunden warten bis zur Eröffnung. Das war bei diesen Wetterbedingungen natürlich nicht so angenehm! Wir haben hier ein Athletenzelt, aber das wurde gestern nicht geheizt!
Zur Eröffnung dann viel Prominenz, aber nur eine Hand voll Sportler! Um 19.00 Uhr waren wir dann endlich im Hotel, alle total durchgefroren.

Heute Morgen Abfahrt mit dem Bus vom Hotel um 06.30 Uhr, kein Frühstück, dafür einen kleinen Verpflegungsbeutel! Temperaturen so um geschätzte 3-4 Grad. Wir waren dann gegen 07.00 Uhr bei Dämmerung die Ersten auf der Anlage, so nach und nach trafen dann alle anderen Schützen und Offiziellen hier ein. Der Härteste ist unser amerikanischer Trainerkollege, der läuft hier in kurzen Hosen rum!
Um 08.30 Uhr Wettkampfbeginn Doppeltrap, der Start musste dann allerdings um 10 Minuten verschoben werden, weil durch den Sonnenaufgang die Zuschauer Schatten auf den Deckungs- und Annahmebereich des Standes warfen, sehr lustig! Die Stände liegen um einiges tiefer wie die Aufenthalts- und Zuschauerbereiche, ähnlich wie in Wiesbaden.
In der ersten Runde fand Andy nicht das richtige Rezept für die vorherrschenden Bedingungen, eine 24 war das Ergebnis. Runde zwei mit 28, Runde drei mit 30, Runde vier mit 27 und die letzte Runde mit 30 Treffern – damit rutschte Andy mit 139 Scheiben als Sechster ins Finale!
Nach dem Semifinale stand Andy mit dem Amerikaner Holguin und dem Australier Willet mit 28 Treffern gleich, ein Shotoff musste um den Einzug ins Goldmedalmatch entscheiden. Hier flog leider gleich bei der ersten Doublette die zweite Scheibe „ungerupft“ davon, während die anderen beiden Schützen trafen. Im anschließenden Bronzemedalmatch unterlag Andy dann dem Malteser Chetcuti und belegte den undankbaren vierten Platz. Es siegte der Australier vor dem amerikanischen Schützen.

Trotzdem eine riesige Saison für Andy Löw, er war bei allen großen internationalen Wettkämpfen in diesem Jahr im Finale! Darauf gilt es 2017 aufzubauen!
Nach der Siegerehrung durften die Finalisten nochmal antreten und das Finale nach den neuen ISSF-Regeln zum ersten Mal üben. Ist von der Sache her ganz einfach und auch leicht verständlich, es gibt keinerlei Stechen mehr. Das Finale in der neuen Form geht wesentlich schneller als nach den alten Regeln!